Rote Brücke, Granitkuppeln und Covid
24. August (abend)
Nach meinem Stopp im Starbucks komme ich am Abend gleich nördlich von San Francisco in den 'Marin Headlands' an. Diese beinhalten die Grünzone gleich am anderen Ende der 'Golden Gate Bridge'. Als ich ankomme, herrscht Nebel über die Landschaft. Auf dem Zeltplatz ist es bereits jetzt bitter kalt und ich nehme mein Abendessen im Auto ein. Kurz bevor die Sonne untergeht erhasche ich noch einen Blick auf San Francisco und die Brücke durch den Nebel.
25. August
Am nächsten Morgen fahre ich bis zum Nordende der Brücke (also nicht in der Stadt) und parkiere dort mein Auto für 10$. (Weitaus billiger als die Maut über die Brücke und die Parkgebühren in der Stadt).
Bei den Parkplätzen steht überall "Einbruchgefahr", da mein Parkplatz jedoch gleich an die Strasse mit regelmässigen Polizeiautos grenzt, hoffe ich auf keinen Einbruch. Meine Wertsachen nehme ich selbstverständlich trotzdem mit.
Anschliessend überquere ich die Brücke zu Fuss und geniesse die unheimvolle Atmossphäre, die der Nebel der Architektur verleiht.
Auf der anderen Seite besuche ich noch kurz den 'Postcard Point', doch da sich der Nebel noch nicht gelichtet hat, muss ich mich mit einer gruseligeren Version der bekannten Brücke abgeben.
Anschliessend nehme ich den Bus, um an die nördliche Stadtgrenze zu kommen. Ich steige beim 'Palace of Fine Arts' aus, und laufe eine Runde um das Gebäude.
Das Gebäude ist in antikem Stil gehalten und meiner Meinung nach nicht schlecht gelungen mit seinen geschwungenen Bögen und dem Grünpark ringsherum.
Anschliessend mache ich mich auf den Fussweg nach 'Fisherman's Wharf'. Dabei komme ich an einer Outdoor-Fitnessanlage vorbei. Das ist das erste Mal, dass ich sowas in Amerika sehe, wohl einer der Vorteile, wenn man in einem blauen Küstenstaat wohnt. Nach einem Mini-Workout ziehe ich weiter und sehe Schwimmer, welche im trüben Wasser der San Francisco Bay (auch einfach 'Bay' genannt) ihre Runden ziehen.
Unterdessen hat sich der Nebel gelichtet und ich bereue meine langen Jeans bitter.
Als nächsten unnötigen Ort suche ich eine bekannte Schokoladenfabrik der Bay Area auf: Ghirardelli. Prompt muss ich die Schokolade probieren, um sie auf die konkurrenzfähigkeit zum schweizer Pendant zu testen.
Die Schweiz hat meiner Meinung nach die Nase bei der Schokolade weit vorne. Vor allem Milchschokolade schmeckt hier nicht so gut.
In der Wharf angekommen, stehe ich diesem Gefährten gegenüber:
Hier hat es alle paar Meter einen anders angemalten 'Seal'. Bevor ich mich zum Highlight aufmache - dem sogenannten 'Pier 39' - komme ich nicht umhin, meine Nase in einen riesigen Süssigkeitenshop zu stecken. Schmöckern tat ich gerne, kaufen jedoch nichts.
Am Pier 39 sind die sich tummelnden Robben eine grosse Attraktion. Ob sie den dutzenden Menschen jedoch gerecht werden, ist zweifelhaft.
Ansonsten besteht der Pier 39 aus Läden und kleineren Attraktionen. Ein Mann schrummte ein paar Akkorde auf einem Bass, während er auf einem Einrad balancierte und ein 'Free-Fall' von 10m Höhe brachte ein kleines Kind zum schreien.
Mein nächstes Ziel war der 'Coit Tower'. Dorthin nahm ich die altehrwürdige Trambahn, auf welcher ich prompt zwei Schweizern aus dem Fricktal begegnete.
Da ich nur hörte, dass der Coit Tower ein Aussichtspunkt ist, hatte ich erwartet, es sei ein hoher Turm, der die anderen Gebäude überragte für die Aussicht. Stattdessen war es ein kleiner Turm, der jedoch auf einem hohen Hügel gebaut wurde.
Als ich beim Turm ankam, war ich in meinen Jeans schweissgebadet.
Glücklicherweise ging es von hier aus nur noch nach unten bis zu meinem Hostel, welches zwischen 'Little Italy' und 'Chinatown' lag.
Eingecheckt ging ich zuerst duschen und traf dann Jana in der Lobby. Sie hatte ich ebenfalls über meine Hostelapp kennengelernt. Da wir beide bereits die wichtigsten Sehenswürdigkeiten hinter uns hatten, gingen wir stattdessen an ein chinesisches 'Tea Tasting'. Dominant war hier Oolong Tee in den verschiedensten Ausführungen. Von Zitrone bis Milchgeschmack.
Nach der Rückkehr quatschten wir noch ein bisschen und vergnügen uns am gratis zur Verfügung gestellten Znacht. Jana kommt aus Bayern, lebte jedoch als Au-Pair zwei Jahre in den USA. Den deutschen Akzent konnte ich aus ihrem Englisch fast nicht mehr raushören.
26. August
Nach der schlimmsten Nacht meiner Reise (es stank unerbittlich im Schlaafsaal, ein Typ hat ununterbrochen gehustet, ein anderer hat Fotos mitten in der Nacht mit Ton gemacht, ein letzter hat ein Gespräch um 3 Uhr morgens angefangen und um 0515 schrie vor dem Fenster ein drogenabhängiger seine Seele heraus (eventuell habe ich sogar einem meiner Schlaafsaalgefährten gesagt er soll die Fresse halten) ging ich in der früh zurück zur Golden Gate Brücke.
Nachdem ich sie überquerte, machte ich ein paar Freudensprünge, da mein Auto noch uneingebrochen und unbeschädigt auf dem Parkplatz stand.
Daraufhin fuhr ich in Richtung Yosemite National Park.
Einen kurzen Stopp gabs noch für das Gym und einen Starbucks 'Pumpkin Spiced Latte'.
Anschliessend kam ich am Abend in den 'Hodgdon Meadows' an, wo ich mein Zelt aufschlug und ins Bett ging.
27. August
Heute besuche ich den nördlichen Teil des Yosemite Parks und starte meine Backpacking Tour. Die 'Tuolumne Meadows' (ja ich weiss auch nicht, wie man das ausspricht) liegen gut eine Autostunde von meinem Schlafplatz weg.
Zuerst muss ich jedoch dem 'Wilderness Center' einen Besuch abstatten, um meine Permit für die Wanderung abzuholen.
Der Grossteil des Parks ist Wald mit Granitbergen durchbrochen. Speziell ist, dass die meisten Berge aussehen, als wären sie aus einem kontinuierlichen Stück gefertigt und immer schön abgerundet.
Da ich das Bären & Naturpark Einführungsgespräch schon oft genug gehört habe, mache ich während den Erklärungen der Rangerin ein neutrales Gesicht. Sie verzeiht mir jedoch nicht, dass ich nicht aufmerksam nicke und Bestätigungsworte von mir gebe wie ein waschechter Ami. Deshalb sagt sie plötzlich, dass ich 'worried' aussehe. Ich verneine und fortan spielt sie die beleidigte Leberwurst.
Trotzdem bekomme ich meine Permit und die Fahrt nach Tuolumne geht los.
Ich halte nur einmal, um einen ersten Ausblick auf den Half-Dome zu bekommen.
Nach dem Mittagessen in Tuolumne (was übrigens um diese Jahreszeit ohne blühende Blumen uninteressant ist) fuhr ich zum Porcupine Creek, um dort meine letzte Wanderung des Trips zu unternehmen.
Lustigerweise führt mich meine Wanderung auf den 'North Dome' grösstenteils flach und hinab. Das liegt daran, dass ein Grossteil des Park einer Hochebene ähnelt und das 'Yosemite Valley', in dem der Half-Dome und 'El Capitan' liegen, in diese Ebene hineingefräst ist. Dadurch besteigt man die meisten Gipfel im Valley, in dem man auf sie von der Hochebene hinabsteigt.
Auf der Wanderung ist der Himmel noch regenverhangen und Gewitter verdunkeln das Firnament. Glücklicherweise werde ich nur von leichten Schauern getroffen und etwa um 1800 klärt sich der Himmel auf.
Da man auf dem North Dome selbst nicht campen darf, schlage ich mein Lager ein bisschen weiter oben auf und bestaune den Sonnenuntergang von hier.
So ganz alleine kann man die Natur viel besser als mit hunderten anderer Touristen geniessen. Sicherlich eine der schönsten Wanderungen meines Trips.
Anschliessend gehe ich ins Zelt und warte bis die Sterne sich zeigen, um noch ein paar Sternenbilder zu machen.
Ich habe derweil keine Ahnung welche Stadt die Luft dort hinten so verpestet. Da der Mond immer noch sehr klein ist, fehlt Licht auf dem Half-Dome. Erkennen kann man ihn trotzdem.
28. August
In der Nacht auf heute schlief ich hundsmiserabel. Plötzlich war meine Nase verstopft und ein Gefühl der Kraftlosigkeit machte sich in mir breit.
Als ich aufstand nahm ich mir vor, mich den Tag zu schonen, damit ich möglichst schnell wieder zu Kräften komme.
Trotzdem musste ich zuerst noch den Aufstieg zurück zum Auto meistern. Glücklicherweise waren das nur 5km.
Anschliessend fuhr ich ins Yosemite Valley, um die schönsten Ausblicke von dort noch zu geniessen.
Mein Gesundheitszustand stürzte mittlerweilen ab. Ich schaffte es mit einem Paracetamol intus gerade noch so, den El Capitan Free Solo zu besteigen.
Mit letzter Kraft fuhr ich zu meinem Campplatz zurück und stellte mein Zelt auf. Sobald dies vollbracht war, warf ich mich ohne umziehen hinein und schlief ein. (Das war um 1600). In den folgenden Stunden erwachte ich mehrmals mit Schüttelfrost, Gliederschmerzen und Fieber.
29. August
Morgens um 0600 schleifte ich mich dann aus dem Zelt zum nächsten Schmerzmittel und baute mein Zelt ab. Heute muss ich 6.5h fahren. Schön blöd, wenn man alleine und krank ist. Ich war mir unterdessen sicher, dass dieser reudige Hustentyp aus dem Hostel von San Francisco mich ansteckte. Typisch, einmal unter Menschen und direkt krank.
Naja, während der Fahrt besserte sich mein Zustand aber glücklicherweise, sodass ich gegen Ende kein Fieber mehr hatte, und die Langweiligkeit von Zentralkalifornien geniessen konnte.
Am Abend kam ich dann bei Ines und Mike Wyrsta in Santa Barbara an.
Zurück in meinem Heimatsort fühlte ich mich fast schon wieder gesund. Zumindest, bis Ines mir einen Covid Test gab, welchen ich prompt positiv bestand.
Ab sofort wurde ich von der liebenswürdigen Familie ge-'Social Distance'd. Da mein physischer Zustand jedoch nur noch leicht angeschlagen ist und ich das Gros der Krankheit bereits überwunden habe, schaue ich positiv auf meinen Trip morgen zu den Channel Islands hin.
(Trotz Social Distancing unterhielt ich mich mit den beiden (und Silas, ihrem Sohn) noch bis in die Nacht hinein. Einfach mit 3m Abstand.)
Notizen:
Bärenspray darf in Kalifornien nirgends mitgeführt werden. Keine Ahnung, ob das bereits als Waffe gilt hier.
Die Leute fahren wieder mühsamer Auto: Mehr drängeln, mehr Speeding, mehr New York Feeling.
Die Aufmerksamen werden bemerkt haben, dass bei mir zur Zeit der Veröffentlichung bereits der 30. August ist. Dies, weil ich die Channel Islands und Los Angeles in einem Blog zusammen haben will.
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