Die Glacier-Waterton Erfahrung

05. August

Gestern bin ich am Abend ins Zelt kollabiert und sofort eingeschlafen. Vorher bin ich noch an das Abendprogramm im Amphitheater. Dort erzählte die Rangerin, dass hier in Nordmontana der Winter die dominierende Saison ist. Vor zwei Jahren hatte es 30m!!!!! Schnee. Im Frühling erkämpfen sich die Parkbewirtschafter dann mit grossen Schneepflugen ihre Strassen zurück.

 Hier hatte ich noch erfahren, dass man zwischen 0700-1500 ein Ticket kaufen muss, um mit dem Auto in den Park zu fahren. Da meine Tour heute jedoch sehr touristisch ist, entscheide ich mich, mit dem gratis Shuttlebus zu gehen. Als ich um 0830 bei der Bushaltestelle ankomme, hat es schon relativ viele Leute. Ich muss 1.5h anstehen. Zum Glück hatte ich noch mein 2kg schweres Buch für den Tagesausflug eingepackt. Als ich die Bustüren erreiche und zurückschaue, hat es noch mehr Leute als zum Zeitpunkt, an dem ich anfing anzustehen.

Der Glacier-NP ist im Sommer mit Touristen überloffen. Obwohl der Park riesig ist, gibt es von der West- zur Ostseite nur eine Strasse. Die Going-To-The-Sun-Road. Diese erklimme ich im Shuttle bis zum höchsten Punkt namens Logan Pass. Dieser sitzt auf dem 'Garden Wall', der Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik.

'Rockie-Blumen'

Nach der Ankunft begehe ich den Touristenweg bis zum 'Hidden Lake Overlook'. Dieser ist jedoch den kurzen Aufstieg trotz aller Leute wert.

Hidden Lake
Amerikanische Variante des Steinbocks

Anschliessend gibt es noch einen Abstecher auf die 'East Side' des Logan Pass zum 'Jackson Glacier Overlook'. Ich hatte einen gewaltigen Gletscher erwartet, sehe jedoch bloss einen - zumindest für schweizer Verhältnisse - kümmerlichen Gletscher.


Ich muss erfahren, dass bei der Gründung des Parks gut 80 Gletscher als Namensgeber dienten. Heute existieren noch 24, die meisten in jämmerlichem Zustand. Klimaerwärmung ist ein ernstes Thema im Park.


Nach diesem enttäuschenden Aussichtspunkt kehre ich zur Westside zurück und steige beim 'Avalanche Creek' aus. Hier unternehme ich nochmals eine einstündige Wanderung zum 'Avalanche Lake'. Dieser sieht zwar ebenfalls schön aus, das Wetter spielt - damit es wahrlich eine Oase der Entspannung ist - jedoch nicht mit.

Unheimlicher Wald
Avalanche Lake
Reife Beeren

06. August

Heute gehts früh los, weil ich vor der Ticketzeit im Park sein will, sowie weil ich einen 'First Come, First Served' Campingplatz auf der anderen Seite des Parks bekommen will. Ich plane ein bisschen Sicherheit ein, bin also um 0600 beim Eingang. Nach wenigen Kilometern werde ich dafür mit der Dämmerung über den Bergen belohnt.


Sobald ich jedoch weiterfahre und mich auf den Sonnenaufang freue, ziehen schonwieder vermaleidete Wolken auf und versperren die Sicht. 

Im Campingplatz angekommen, kann ich ohne Warten direkt auf einen freien Platz fahren. Wagemutige gibt es hier anscheinend wenige.

Nach einem schnellen Powernap im Auto fahre ich dann in die Region 'Many Glaciers'. Als ich jedoch auf die entsprechende Strasse abbiege, steht auf einem Schild, dass man eine Reservierung braucht um überhaupt hineinzukommen. Hier ist dies nicht einmal zeitlich begrenzt. Niedergeschlagen ziehe ich mich zum Visitor Center zurück und hecke einen neuen Tagesplan aus.

Da es nun bereits Mittag ist, fahre ich auf den Pass und koche mir eine Ramen Suppe, während ich den Ausblick geniesse. Anschliessend bleibe ich und lese noch kurz. 200 Seiten und ein paar Stunden später fahre ich wieder zum Campingplatz fürs frühe Znacht. Für heute Abend ist nämlich viel Programm angesagt.

Mein Ausblick vom Mittagessen

Zuerst gibt es im Visitor Center eine Aufführung von echten Indianern, in dem sie ihre traditionellen Tänze zeigen.

Tanzaufführung

Anschliessend treffe ich mich draussen für ein Astronomie Seminar, da es hier im Glacier Nationalpark extrem dunkle Nächte (ohne Lichtverschmutzung) gibt. Mit meiner Kamera und 4 Schichten Kleider bewaffnet ziehe ich im Seminar ein. Die freiwilligen Organisatoren haben ein Teleskop aufgebaut. Es hat sogar eine Sternwarte, diese ist jedoch ausser Betrieb.

Nach einer Stunde Erzählungen vom Nachthimmel, sagen sie den Rest des Seminars leider ab, da die Wolken nicht ab sondern zugenommen haben. Vom Organisator erfahre ich, dass es hier im Sommer normalerweise immer klare Nächte hat. Seit ich hier bin, habe ich jedoch nur Wolken gesehen.


07. August

Nachdem ich nach dem langen Abend ausschlief, kehrte ich für Internet ins Visitor Center ein. Eigentlich wollte ich am 08. August Wandern gehen, da ich jedoch zum ersten Mal die langen (5h) Fahrzeiten sah, beschloss ich es heute zu machen. (Der Campingplatz von heute Abend ist viel weiter weg von der Wanderroute als der heutige.)

Also düste ich auf Kanada in den Waterton Nationalpark. Als angelangt, startete ich direkt in die Tour. 

Vor 8 Jahren brannte der Grossteil des Waterton Parks

Wie gewisse von euch bereits wissen, habe ich einen Wanderführer von Papi bekommen ('Don't waste your time in the canadien rockies'). Ich wählte die erste Bestbewertete Route für heute aus ('Premier' Bewertung). Hier will ich kurz ein Review des Review geben:

Die ersten und letzten Kilometer sind durch Wald vom Auto zu einem See respektive von einem See zurück zum Auto. Diese sind relativ langweilig. Man sieht nichts Interessantes. Spannender wird es jedoch, nachdem man beim See angelangt ist.

Brandgrenze

Ab hier geht es steil nach oben, bis man auf der 'Akamina Ridge' ankommt. 


Die Aussicht wird während des Aufstiegs immer besser und sobald man oben ist, sind die Blicke superb. So bleibt es dann auch, bis man wieder nach unten zu einem anderen See geht.

Auf der Ridge

Insgesamt bewerte ich die Route ebenfalls 'Premier', ich musste vor Freude jauchzen, nachdem ich oben ankam. 

Gipfelfoto

Mein Abstieg war ein schneller, da in der Ferne Regenwolken zu sehen waren und mir die Zeit davonlief. (Ich musste ja noch zurück in die USA). Spät an diesem Abend brach ich dann in mein Zelt und schlief direkt ein.

Aufziehende Regenwolken in der Ferne

08. August

Heute wache ich im 'Two Medicine'-Teil des Glacier Nationalparks auf. Eigentlich will ich mit der Fähre über den 'Two Medicine Lake' setzen, hier braucht man jedoch NATÜRLICH eine Reservation. (Nur am Rande, aber dass man überall Reservationen braucht wird einem erst vor Ort gesagt, sonst wird es nicht angezeigt). Ich entscheide mich stattdessen Kayak fahren zu gehen. Hierbei unterschätze ich das Wetter (schlecht), den Wind (4 Beaufort) und den See (aufgewühlt) deutlich. 


Meine Hosen lassen beim ersten Gutsch Wasser und nachdem ich den Ärmel meiner Regenjacke ausversehen ins Wasser tunke, sind auch meine Arme nass. Nach 5 Minuten bin ich bereits durchnässt. Die Erfahrung und Ausblicke sind trotzdem (oder deshalb) beeindruckend.

So fühlte sich der Wind an (geschobt)

Zurück im Auto und Kleider gewechselt, fahre ich nun gemütlich zurück zur Westseite des Parks, wo ich dann überraschenderweise eine Dusche auf dem Zeltplatz finde. Sofort gehe ich duschen und wasche mir den Schmutz von 4 Tagen ab. (Das Waschen mit Seife ist aufgrund der Bären auf allen Campingplätzen untersagt)


09. August

Heute ist Fahrtag. Diesmal nur 5h, da ich die 10h Etappe auf zwei Tage aufteilte. Etwa fünf Minuten nach dem losfahren, komme ich aus dem Nebel und sehe den blauen Himmel. Natürlich wird es erst schön, nachdem ich aufbreche...

Austritt aus dem Nebel

 Ich gehe noch kurz ins Gym und der Rest der Fahrt ist relativ ereignislos, die Strasse verläuft zwischen bewaldeten Hügeln.


Ich komme im Airbnb an, wasche, kaufe ein und mache mir einen gemütlichen Abend.

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